Von Rachel Harvey, BBC News Hanoi
Vietnam ist eines der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens, angetrieben durch eine Politik der Liberalisierung in dem kommunistischen Land.
Geschäfte sind bepackt mit den neusten Dingen, von der Uhr über das iPad bis hin zum MP3 Player.
Das Land hat sich der Welt nach außen hin geöffnet, dass sich etwas geändert hat, das haben die Machthaber ebenfalls gemerkt.
Nirgendwo sind Veränderungen so sichtbar, wie beim Nutzen des Internets.
Mehr als ein Drittel der jungen Bevölkerung Vietnams geht nun regelmäßig online.
Fast jedes Café im Zentrum Hanois bietet freies WiFi an, so hat es jedenfalls den Eindruck.
Schutz oder Zensur?
Ich traf Minh, einen 26 jährigen Rechtsanwalt und Ngan, die kürzlich ihr Studium an der Universität abgeschlossen haben, bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
Minh surfte mit seinem iPhone im Internet und Ngan besuchte Facebook auf ihrem Laptop.
„Immer wenn ich Zeit habe, dann komme ich oft hier her, um im Internet zu surfen und mit meinen Freunden zusammen zu sein“, erzählte mir Ngan bei einer Tasse Kaffee.
Die Regierung hat im Zuge des Internetbooms ein neues Gesetz verabschiedet, wonach jeder Ort, der öffentlich Zugang zum Internet anbietet, wie z.B. Cafés, Hotels, Gewerbe usw. verpflichtet sind eine Überwachungssoftware zu installieren.
Das im April beschlossene Gesetz macht es den Behörden möglich die besuchten Webseiten zurückzuverfolgen, um das Nutzerverhalten kontrollieren zu können.
Das besorgt Ngan und Minh.
„Sicherlich gibt es schlechte Webseiten und bösartige Informationen im Web“, sagte Minh.
„Aber andererseits, wenn die Behörden das übertreiben, dann kommt das mit einem Verbot von Informationen für uns Vietnamesen gleich.“
Menschenrechtsorganisationen, sowie auch Viettan und Reporter Ohne Grenzen argumentieren, dass das exakt der Versuch der Regierung sei.
Die neuen Gesetze sind vom Umfang her mit einer staatlichen Zensur vergleichbar.
Die Regierung sagt, dass man versuche Lücken in der Sicherheit zu schließen.
„Zunächst einmal sind diese Regulierungen notwendig, um die Menschen vor negativen Auswirkungen des Internets und um unsere Gesellschaft zu schützen“, sagte die Sprecherin des Außenministeriums Nguyen Phuong Nga.
Aber ein vor kurzem vorgelegter Bericht von Human Rights Watch behauptet, dass die vietnamesische Regierung gezielt auf unabhängige Blogger Jagd betrieben habe.
„Das ist nicht wahr“, sagte Frau Nga.
„In Vietnam haben wir mehr als eine Million Blogger. Diese Leute werden nicht inhaftiert nur weil sie eine andere Meinung vertreten. Nur jene die gegen das Gesetzt verstoßen haben.“
Gleiche Probleme
Eine entsetzlich große Menge politischer Dissidenten fällt scheinbar in diese Kategorie.
Das Problem liegt nicht beim „Bloggen“, sondern die Wahl des Themas kann einen ins Gefängnis bringen.
Über Korruption, Religionsfreiheit, Landenteignungen oder fragliche Regierungsgeschäfte mit China zu schreiben, kann mit einem Besuch der Polizei an der Haustür enden.
Le Thi Cong Nhan ist eine prominente Menschenrechtsanwältin, die sich öffentlich für eine Mehrparteiendemokratie einsetzte und mit Hilfe des Internets ihre Nachrichten verbreitete.
Sie wurde 2007 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wegen Verbreitung von „staatsfeindlicher Propaganda“.
Jetzt ist sie unter Hausarrest.
Aber trotz des hohen Risikos willigte Le Thi Cong Nhan ein sich mit mir zu treffen.
Wir trafen uns im Schutz der Dunkelheit, so konnte ich meinem staatlich mir zugeteilten Aufpasser entwischen.
Die Internetverbindung von Frau Nhan wurde stillgelegt, aber irgendwie hat sie noch eine Möglichkeit gefunden Emails zu schreiben, das wollte sie mir aber nicht genauer erzählen.
Internetzensur ist nur eine neue Version des alten Problems, erzählte sie mir.
„Das wichtigste der Menschenrechte ist die Redefreiheit“, sagte sie energisch.
„Wir erreichen nichts, wenn wir keine Redefreiheit haben.“
Es scheint so, als ob das Internet die Forderungen zusätzlich zum Teil befeuert, denn die Flut an Informationen zu kontrollieren wird zunehmend schwieriger.
Unausweichlich wachsen die Spannungen zwischen dem zentralistischen Staat und der globalen Welt.
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