Erneut Proteste in Saigon und Hanoi vor den Botschaften der Volksrepublik China.
Die Spannungen haben sich in den letzten Tagen verschärft nachdem Vietnam für Montag (13/06/2011) ein Militär-Manöver in den umstrittenen Gewässern geplant hat.
China drohte, dass Vietnam umgehend alle Provokationen einstellen solle.
Am vergangenen Donnerstag ereignete sich ein neuer Vorfall. Erneut durchtrennte eine chinesisches Fischerboot Messkabel eines vietnamesichen Schiffes.
Von vietnameischer Seite wurde dies mit Sabotage gleichgesetzt, während laut der VRC das Fischerbooot sich in den Kabeln samt Netz verfangen hätte und kilometerweit vom vietnamesischen Schiff weggegzogen wurde.
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13.06.11
06.06.11
Anti-China Proteste
Hunderte von Personen versammelten sich in Saigon und Hanoi vor den chinesischen Konsulaten und demonstrierten gegen das Vorgehen der VRC und gegen die Verletzung der Souveränität Vietnams.
In den so genannten Social Networks wurden die Menschen zu Protesten aufgerufen.
In Vietnam sind solche öffentlichen Proteste sehr selten, da faktisch in einem kommunitisch Land keine Proteste zu gelassen sind. Seit Jahrezehnten streiten sich Vietnam und
China um die Gewässer im Südchinesischen Meer.
Hanoi selbst spielte die Proteste herunter - zu groß ist der Einfluss Pekings auf das Hanoier Regime in den vergangegene Jahren geworden.
In den so genannten Social Networks wurden die Menschen zu Protesten aufgerufen.
In Vietnam sind solche öffentlichen Proteste sehr selten, da faktisch in einem kommunitisch Land keine Proteste zu gelassen sind. Seit Jahrezehnten streiten sich Vietnam und
China um die Gewässer im Südchinesischen Meer.
Hanoi selbst spielte die Proteste herunter - zu groß ist der Einfluss Pekings auf das Hanoier Regime in den vergangegene Jahren geworden.
12.08.10
Proteste steigen in Vietnam mit sozialer Unzufriedenheit
Es gibt Anzeichen wachsender sozialer Unruhen in Vietnam nach einer Serie von Protesten gegen die blühende Korruption und wirtschaftliche Ungerechtigkeit, berichtet der BBC-Reporter Nga Pham aus Hanoi.Bewohner von Bac Giang hatten noch nie zu vor einen so aufgebrachten Mob gesehen, der sich durch die Straßen letzten Monat bewegte.
Tausende von Leuten versperrten den gesamten Nachmittag das Stadtzentrum. Ganz am Anfang der Protestmassen befand sich ein Sarg, der mit Blumen, Bannern und Kränzen geschmückt war, so wie ein Bild eines jungen Mannes, Nguyen Van Khuong, der kurz zuvor unter Polizeiverwahrung verstarb.
Ein Video auf YouTube zeigte eine große Gruppe von Männern, die Steine und Trümmer durch das Eingangstor des städtischen Volkskomitees auf Polizisten warfen.
Sicherheitskräfte versuchten die Menge mit Tränengas und Knüppeln auseinanderzutreiben, doch die Leute zogen sich erst zurück, als der führende Parteifunktionär kam, um mit der Familie des Verstorbenen Gespräche zu führen.
„Die Polizei hat meinen Verwandten Nguyen Van Khuong umgebracht, daran gibt es keine Zweifel“, sagte ein Familienmitglied des Opfers.
Herr Khuong, 21, wurde von der Verkehrspolizei am 23. Juli in Bac Giang gestoppt, da er keinen Motorradhelm trug und für Befragungen ins Polizeirevier gebracht.
Seine Freundin wartete mehr als eine Stunde draußen, bevor man ihr sagte, dass ihr Freund krank geworden sei und ins Krankenhaus gebracht wurde. Als sie dort ankam, sagte man ihr, dass Herr Khuong verstorben sei.
„Sie brachten uns nur den Körper zurück und gaben uns keine Antwort, deswegen waren wir so verärgert und beschlossen mit dem toten Khuong zum Volkskomitee zugehen und nach einer Erklärung zu verlangen“, sagte ein Verwandter von Nguyen Van Khuong.
Erst letzte Woche, mehr als zehn Tage nach dem Vorfall, wurde ein lokaler Polizeibeamter verhaftet, der verdächtigt wird mit dem Tod des jungen Mannes etwas zu tun zu haben, jedoch gaben die offiziellen Medien keine weiteren Details an, was nun geschehen werde.
Öffentlicher Ärger
Nguyen Van Khuongs Fall ist der letzte einer Serie von Krawallen zwischen Bürgern und den lokalen Behörden.
Im Mai endete ein Vorfall in der Thanh Hoa Provinz für zwei Personen fatal. Ein 45 Jahre alter Mann und ein 12-jähriges Kind wurden erschossen, als die Polizei versuchte die Massen auseinander zu treiben, die gegen ein Industrieprojekt protestierten.
Wochen davor wurden Dutzende Menschen einer katholischen Gemeinde in Danang verhaftet, als diese gegen eine geplante Enteignung marschierten.
Nach statistischen Angaben, die vom Untersuchungsausschuss der Regierung ausgegeben wurden, gab es in den vergangenen fünf Jahren ca. 4000 Fälle von öffentlichen Protesten; bei 550 gab es mehr als 50 Teilnehmer.
Die meisten Gründe der öffentlichen Unzufriedenheit sind auf Ländereipolitik und anderen Fällen, in denen Korruption und behördliche Fehlentscheidungen eine Rolle spielen, zurückzuführen.
„Die Vietnamesen sind allgemein ein friedliebendes Volk, sie wollen niemals Ärger haben“, sagt Prof. Tuong Lai, ein führender Soziologe in Vietnam.
„Sie protestieren nur, wenn sie den Druck nicht mehr aushalten. Ein vietnamesisches Sprichwort sagt: ‚Die Deiche brechen, wenn das Wasser der Flut zu stark ist. ‘ Ich glaube nicht, dass die Menschen von ‚ausländischen reaktionären Kräften‘ oder ‚extremistischen Elementen‘ dazu angetrieben werden“, erklärt er.
Transparenz wird gebraucht
Prof. Tuong Lai sagt, dass die zunehmende Häufigkeit öffentlicher Proteste ein „ernsthaftes Problem in der Gesellschaft“ darstellt, das besondere Aufmerksamkeit von der Führung benötigt.
„Die kommunistische Partei und die Zentralregierung sollten mehr Anstrengungen unternehmen soziale Konflikte durch komplette Transparenz und respektvollen Gesetzen zu lösen“, antwortet Prof. Tuong Lai.
„Vorbei sind die Zeiten, als die Regierung die Medien zum Schweigen bringen konnte, um negative Dinge zu vertuschen und der Öffentlichkeit eine bestimmte Meinung aufzuzwängen, da so viele Informationen im Internet abrufbar sind.“
Aber mit dem baldigen Parteikongress der kommunistischen Partei in nicht mehr ganz sechs Monaten, in der eine neue Parteiführung für die nächsten fünf Jahre gewählt wird, sagen Experten, dass die Menschen sich Gehör verschaffen wollen, indem sie so oft wie möglich protestieren.
Prof. Tuong Lai warnt Vorfälle, wie Bac Giang nicht unter den Teppich zu kehren.
„Wenigstens einmal will die Öffentlichkeit die Verantwortlichkeit bei der Regierung sehen und dass Fehler auf eine transparente Art bestraft werden.“
Vietnam ist immer stolz darauf eines der „sichersten und stabilen“ Länder auf der Welt zu sein, erzählt Prof. Tuong Lai. Aber er warnt auch, dass die Öffentlichkeit eine ernste Bedrohung für das Regime haben kann, wenn nicht mit den Menschen gesprochen wird und kein Handeln erfolgt.
bbc.co.uk
05.08.10
Human Rights Watch zeichnet 6 vietnamesische Dissidenten aus
AP
HANOI, Vietnam – Eine internationale Menschenrechtsorganisation hat sechs vietnamesische Aktivisten für ihren Mut Angesichts der politischen Verfolgung geehrt.
Die sechs wurden am Mittwoch aus 42 Autoren in 20 Ländern von der in New York ansässigen Human Rights Watch nominiert, die jährlich den Hellman/Hammet-Preis verleiht.
Dieses Jahr gehen alle Preise an die politischen Aktivisten nach Vietnam, dessen Arbeiten durch die dortige Regierung unterdrückt werden um die Meinungsfreiheit einzuschränken, unabhängige Medien zu kontrollieren und die Nutzung des Internets zu begrenzen.
„Durch die Ehrung der mutigen Schriftsteller, die politische Verfolgung über sich ergehen lassen mussten, ihre Arbeit verloren oder selbst ihre Freiheit eintauschten, hoffen wir damit internationale Aufmerksamkeit über die Problematik zu erhalten, dass die vietnamesische Regierung versucht diese Stimmen zum Schweigen zu bringen,“ erklärte Phil Robertson stellvertretender Direktor des Bereiches Asien in einer Ansprache.
Vietnams Regierung behauptet, dass es keine Personen inhaftiere oder schikaniere, die andere politische Meinungen vertreten und nur jene einsperre, die das Gesetzt brechen.
Die diesjährigen Gewinner inklusive der inhaftierten Novellistin und Journalisten Tran Khai Thanh Thuy, sind der Menschenrechtsaktivist Pham Van Troi, Dichter und Militärveteran Tran Duc Thach und Lehrer und Schriftsteller Vu Van Hung.
Dieses Jahr gehen alle Preise an die politischen Aktivisten nach Vietnam, dessen Arbeiten durch die dortige Regierung unterdrückt werden um die Meinungsfreiheit einzuschränken, unabhängige Medien zu kontrollieren und die Nutzung des Internets zu begrenzen.
„Durch die Ehrung der mutigen Schriftsteller, die politische Verfolgung über sich ergehen lassen mussten, ihre Arbeit verloren oder selbst ihre Freiheit eintauschten, hoffen wir damit internationale Aufmerksamkeit über die Problematik zu erhalten, dass die vietnamesische Regierung versucht diese Stimmen zum Schweigen zu bringen,“ erklärte Phil Robertson stellvertretender Direktor des Bereiches Asien in einer Ansprache.
Vietnams Regierung behauptet, dass es keine Personen inhaftiere oder schikaniere, die andere politische Meinungen vertreten und nur jene einsperre, die das Gesetzt brechen.
Die diesjährigen Gewinner inklusive der inhaftierten Novellistin und Journalisten Tran Khai Thanh Thuy, sind der Menschenrechtsaktivist Pham Van Troi, Dichter und Militärveteran Tran Duc Thach und Lehrer und Schriftsteller Vu Van Hung.
Ebenfalls geehrt wurden die Blogger Bui Thanh Hieu und Nguyen Ngoc Nhu Quynh, die letztes Jahr kurzzeitig verhaftet wurden, da sie die Politik gegenüber China und den Streit mit den Spratley-Inseln kritisiert hatten.
Tran Khai Thanh Thuy erhielt die gleiche Auszeichnung bereits schon einmal im Jahr 2007.
Der Hellman/Hammet-Preis ist nach der Theaterautorin Lillian Hellman und ihrem Langzeitkollegen Romanautor Dashiell Hammet benannt. Beide wurden in den 50er Jahren während der antikommunistischen Hysterie in den USA verhört.
macleans.ca
Tran Khai Thanh Thuy erhielt die gleiche Auszeichnung bereits schon einmal im Jahr 2007.
Der Hellman/Hammet-Preis ist nach der Theaterautorin Lillian Hellman und ihrem Langzeitkollegen Romanautor Dashiell Hammet benannt. Beide wurden in den 50er Jahren während der antikommunistischen Hysterie in den USA verhört.
macleans.ca
Warum ich in Saigon als Masseurin arbeite
News America Media, Andrew Lam
Es ist der Stadtteil, wo sich die meisten Touristen aufhalten, wenn sie Vietnam besuchen.
Für viele junge Menschen aus den ländlichen Regionen ist die größte Stadt des südlichen Vietnams wie ein Magnet, der den Armen ein besseres Leben verspricht, die auf den Reisfeldern Knochenarbeit leisten und sich in der Schuldenfalle befinden.
Pham erzählte über ihr Leben mit NAM-Redakteur Andrew Lam, der anlässlich des 35. Jahrestages zum Ende des Vietnamkrieges seine Heimat besuchte.
Saigon, Vietnam – Ich komme aus Tan Chau in der An Giang Provinz. Wir sind sechs in unserer Familie, alle Bauern. Ich bin jetzt seit vier Jahren in Saigon.
Können Sie sich vorstellen, wie schwer das Leben als Bauer ist? Man ist das ganze Leben lang verschuldet und lebt von der Hand in den Mund. In der Zeit bis der Reis reif wird muss man sich Geld leihen, um die Familie zu ernähren. Dann wenn der Reis geerntet werden kann, zahlt man seinen Kredit mit all den Zinsen zurück. Kommt es aber zu einer Flut oder Missernte, dann muss man sich noch mehr Geld leihen, damit die Familie überleben kann und man steht in den Schulden.
Nach einer Weile entschließt man sich auch Dinge zu tun, die man nicht machen wollte.
Meine Eltern hatten immer Schulden, sie konnten die vier Kinder nicht versorgen.
Meine Schwester heiratete mit 17 einen alten Mann aus Taiwan, den sie vorher noch nie gesehen hatte, bis er zur Hochzeit auftauchte und sie heiratete. Sie musste Geld verdienen und schickte es etwa ein Jahr lang nach Hause, aber seitdem wissen wir nicht, was mit ihr passiert ist.
Das ist jetzt schon mehrere Jahre her und es hat den Anschein, dass meine Schwester verschwunden ist. So verschuldete sich wieder meine Familie, weil wir mit dem Geld meiner Schwester begonnen hatten das Haus zu reparieren, aber es war nicht genug. Nun war ich an der Reihe meiner Familie zu helfen.
Ich bin die zweitälteste und meine Familie ist mir wichtiger als mein eigenes Leben, deswegen würde ich alles Mögliche tun. Ob ich mit dem was ich mache zufrieden bin? Sind Sie verrückt?
Nein, ich habe schon mein Leben ruiniert, aber es ist besser als mit ansehen zu müssen, wie die Familie verhungert oder von ihrem Land vertrieben wird.
Aber bei wem soll ich mich schon beschweren? Saigon ist voll von Auswärtigen, so wie ich, es sind Leute, die versuchen ein Leben aufzubauen und zu überleben. Kommen Sie zum vietnamesischen Neujahr hierher und die Straßen sind geleert. Jeder fährt nach Hause in seine Provinz um mit der Familie zusammen zu sein. Es ist die einzige Pause von den Dingen, was immer wir arbeiten, um unsere Familie zu unterstützen und bei ihnen zu sein.
Als ich nach Saigon kam hätte ich nie gedacht, dass das Leben so wohlhabend sein kann.
All die großen Häuser und glänzenden Autos, aber die Saigoner schauen auf uns Provinzmenschen herab, sie schauen auf Bauern herab. Sie denken, dass wir dumm sind, aber ich gehörte auch immer zu den besten in meiner Schulklasse. Ich lese Bücher und Tageszeitungen, aber sie denken, dass ich dumm wäre oder des Lesens nicht mächtig. Ich musste die Schule nach der 9. Klasse verlassen um meiner Familie zu helfen. Hätte ich andere Möglichkeiten gehabt, hätte ich die Schule weitergemacht.
Was musste ich in den Nachrichten lesen? Mehr Golfplätze werden gerade gebaut und Milliarden von Dollar investiert. Aber wo ist das Geld für den Rest von uns? Die Reichen bauen Villen mit Goldvertäfelung an der Zimmerdecke und sie spielen Golf. Aber die Brücken, die die Regierung in den Provinzen bauen ließ, stürzten wiederholt ein. Die Reichen spielen Tennis und dann kommen sie hier für eine Massage vorbei und behandeln die Frauen wie Dreck.
Wenn ich Präsident wäre, würde ich die Armen versorgen und für Obdachlose Unterkünfte bauen.
Ich würde etwas unternehmen, damit den armen Leute geholfen wird.
Ich würde nicht die Menschen von ihrem Land vertreiben, damit Reiche ihre Hochhäuser oder Golfplätze darauf bauen.
Was meine Kunden betrifft: Ich mag keine Amerikaner. Ich finde Australier gut, die sind nett, höflich und lustig. Ein paar sagten, dass sie mich heiraten wollten, nachdem ich sie massiert hatte – aber es ist alles Lüge. Sie würden noch ein paar Male vorbei kommen bevor sie wieder nach Hause fahren.
Aber ich will keinen Vietnamesen heiraten, weil die Betrüger sind, man kann ihnen nicht trauen.
Sie behandeln Frauen wie Müll, besonders Frauen wie meine Art. Wir sind nur Dinge, die nach dem Gebrauch weggeworfen werden. Die Vietnamesen sind lausige Trinkgeldgeber, sie geben uns nichts, nur wenn man sie darauf aufmerksam macht. Manchmal beschimpfen sie einen, nachdem man die Arbeit getan hat. Ab und zu wenn ich auf ihren Rücken stehe, um eine Massage durchzuführen, würde ich ihnen gerne ins Genick treten [Lan lacht].
Aber ich verdiene nun genug Geld um meiner Familie zu helfen und dass meine zwei jüngeren Geschwister weiter zur Schule gehen können. Und selbst wenn ich noch Geld über habe, dann verwende ich es um Massagen für mich zu bezahlen [Lan lächelt]. Ich bin seriös, es ist harte Arbeit, was ich mache.
Ich weiß, dass ich den Beruf nicht ewig machen kann [Tränen laufen aus Lans Augen].
Aber wenn ich als Köchin oder Fabrikarbeiterin tätig wäre, dann würde ich kaum etwas verdienen und meine Familie würde in Schwierigkeiten kommen. Ich weiß, ich brauche Qualifikationen um zu überleben, aber welches Fachwissen soll ich bekommen, wenn ich kein Geld für die Schule habe?
Meine größte Sorge ist es jetzt, dass es für mich schwer wird zu heiraten, denn ab dem Moment, wenn alle wissen dass ich eine Masseurin bin, denken sie, dass ich eine schlechte Person wäre.
Ich habe keine Chance mit jemanden anständigen zusammenleben zu können. Ich sehe keinen Ausweg.
Aber auch die Masseurinnen haben große Träume. Ich träume davon, dass ich eines Tages einen Ehemann finden werde und dass ich genug Geld habe, um meine Schwester wiederzufinden und sie nach Hause zu bringen. Dann würde ich uns ein schönes Haus bauen, so dass die ganze Familie dort leben kann. Aber ich weiß nicht ob es jemals geschehen wird.
04.08.10
Flucht aus einem kambodschanischen Bordell: Eine Frau erzählt ihre Erlebnisse
New America Media, Interview, Andrew Lam
Bemerkung des Autors: Menschenhandel ist in Vietnam zur Plage geworden.
Es wird geschätzt, dass jährlich mehrere tausend Frauen und Kinder von Vietnam in andere Länder verkauft werden, meist Kambodscha und China um dort zur Prostitution gezwungen zu werden.
50% von ihnen stammen aus der An Giang Provinz im Mekong Delta.
Bong Nguyen plante ihre Flucht aus dem Bordell, wo sie festgehalten wurde um nach Vietnam zurückzukehren. Sie ist nun in Obhut von Pacific Links, welche Hilfe und Bildung für die Risikogruppe junger Frauen in Vietnam anbietet. Bong erzählte ihre Geschichte dem NAM-Autor Andrew Lam.
AN GIANG PROVINZ, Vietnam – Mein Name ist Bong Nguyen, ich bin 21 Jahre alt.
Meine Eltern arbeiten in den Reisfeldern, wir haben genug zu Essen und genug Kleidung.
Ich habe zwei Brüder, einen älteren und einen jüngeren.
Im Jahr 2008 ging ich nach Kambodscha, es endete damit, dass ich mehr als ein Jahr festgehalten wurde.
Ich war in der Schule und nachdem ich meine Abschlussprüfung abgelegt hatte, surfte ich im Internet.
Dort war dieser Mann, der versuchte mit mir zu chatten. Ich kannte ihn nicht, aber er fragte ständig ob wir nicht miteinander chatten wollten und so unterhielten wir uns.
Es gibt ein Café in Kambodscha, sagte er und dass ich dort mehr Geld verdienen könnte als hier.
Zu dieser Zeit hatte ich Streit mit meiner Mutter und sie warf mich aus ihrem Haus.
Ich war sehr traurig, in der Nachbarschaft gab es jemanden, der mich heiraten wollte, aber ich wollte nicht heiraten. Meine Mutter sagte: „Es wäre besser, wenn du ihn heiratest“.
Ich war so betrübt und beschloss mit einer Freundin in die Ha Tien Provinz zu fahren, nur für ein paar Tage, dann wollten wir zurück sein. Aber der Typ, den ich im Internet getroffen hatte, meldete sich erneut und sagte, dass wir nach Kambodscha gehen sollten, um dort zu arbeiten.
Wir entschlossen mit noch einer weiteren Person, einen Schulkameraden, uns nach Kambodscha aufzumachen.
Mit einem Motorradtaxi erreichten wir einen vereinbarten Treffpunkt des Mannes aus dem Internet.
Dort waren zwei Männer und eine Frau, sie brachten uns über die Landstraßen durch die Reisfelder (um von der Polizei nicht entdeckt zu werden) und schon bald waren wir in Kambodscha – ohne Papiere.
Als wir am Haus ankamen, wo der Mann aus dem Internet sein sollte, da hieß es, dass er nicht da sei.
Er befinde sich momentan in Malaysia. Aber seine Schwester war dort, sie regelte alles und passte auf mich und meine Freunde auf. Die Leute in dem Haus waren auch Vietnamesen, sie fragten von woher wir kämen und wir erzählten es ihnen.
Die Frau sagte, dass sie neue Kleidung für mich kaufen würde – einen Monat waren wir in diesem Haus. Ich verstand nichts von „bezahlt werden“, in dem Moment dachte ich über Geld gar nicht nach.
Schon bald erkannte ich, dass der Ort ein Umschlagplatz für Schleuser war, es handelte sich hier um einen Ort, der Mädchen ins Ausland verkaufte. Außerdem wurden noch viele Drogen verkauft, z.B. das weiße Pulver oder auch die andere Art, die man sich injiziert.
Ich sah mehrere Mädchen, die kamen und wieder gingen. Die Frau versorgte die Mädchen mit Drogen, sie sagte, dass sie auf noch mehr jungen Frauen warten würde, die sie dann mit uns nach Malaysia liefern werde.
Sie kassierte das Geld der Mädchen, die arbeiteten und verkaufte ihnen Drogen zum Rauchen.
Die Frau nannte mich „ihr Mädchen“. Sie erzählte mir, dass sie auch Bordelle in Thailand und Malaysia besitzen würde. Der Junge mit dem ich nach Kambodscha kam nahm auch die Drogen, ich weiß nicht was weiter mit ihm passiert ist.
Die Drogen dienten dazu die Mädchen gefügig zu machen.
Es war ein großes Geschäft, das nur von ein paar Personen betrieben wurde.
Zuerst wollte ich flüchten, aber ich konnte nicht. Ich wusste nicht, was passiert wäre, wenn man mich wieder eingefangen hätte, deswegen versuchte ich es erst gar nicht.
Aber ich flehte: „Lassen Sie uns nach Hause. Wir müssen in die Schule gehen.“
Doch die Frau antwortete: „Du wirst in der Schule sowieso nichts und du hast kein Geld.“
Sie erzählte, dass sie einen falschen Reisepass vorbereitet hatte um mich nach Malaysia zu bringen.
Aber ich hatte richtiges Glück. Einer der Drogenkäufer war der Freund der adoptierten Tochter dieser Frau – das Mädchen hatte sich mit 13 Jahren verkauft und wurde warum auch immer von der Frau adoptiert- und nun wurde dieser Mann aus dem Haus geworfen, weil er Drogen auf dem Balkon geraucht hatte. Es gab einen riesigen Streit und der Drogenkäufer sagte:
„Gut ich gehe, aber in drei Tagen wird dieser Platz gestürmt werden.“
Schon am nächsten Tag kam die Polizei und nahm jeden mit, ich kam in eine Hilfseinrichtung in Phnom Penh für mehr als ein Jahr. Man wollte mich nicht gehen lassen, da ich keine Papiere hatte.
Jemand, der von meiner Situation gehört hatte, informierte meine Familie in Vietnam.
Schließlich wurde ich nach Hause gebracht. Man erzählte mir, dass die Bordellbesitzerin $100000 bezahlte um aus dem Gefängnis wieder entlassen zu werden.
Während meiner Zeit bei der Hilfseinrichtung in Kambodscha traf ich viele Mädchen,
die schreckliches erlebt hatten. Es waren 33 und viele von ihnen waren Vietnamesen, aber die Mehrheit wurde in Kambodscha geboren.
Da war dieses eine gut aussehende Mädchen, sie verkaufte ihren Körper mit 13, um ihrer Großmutter helfen zu können. Sie erzählte mir, dass sie es mit dutzenden von Männern am Tag tun musste und dass sie einmal von 20 Männern vergewaltigt wurde. Sie bettelte, dass ihre Peiniger aufhören sollten, aber diese machten weiter. Das Mädchen wurde gerettet, als das Bordell gestürmt wurde.
Dann gab es da noch ein anderes großes Mädchen, welches an Krämpfen litt, da sie oft geschlagen wurde. Sie erzählte, dass sie einen Freier verweigerte und der sie so schrecklich verprügelte.
Jetzt kann sie nichts mehr tun ohne zu zittern. Sie wurde so oft vergewaltigt und geschlagen, dass sie schon halb verrückt wurde.
In der Hilfseinrichtung befanden sich auch ein paar Frauen, die mental krank waren und ein paar Frauen starben auch an AIDS.
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