New America Media, Interview, Andrew Lam
Bemerkung des Autors: Menschenhandel ist in Vietnam zur Plage geworden.
Es wird geschätzt, dass jährlich mehrere tausend Frauen und Kinder von Vietnam in andere Länder verkauft werden, meist Kambodscha und China um dort zur Prostitution gezwungen zu werden.
50% von ihnen stammen aus der An Giang Provinz im Mekong Delta.
Bong Nguyen plante ihre Flucht aus dem Bordell, wo sie festgehalten wurde um nach Vietnam zurückzukehren. Sie ist nun in Obhut von Pacific Links, welche Hilfe und Bildung für die Risikogruppe junger Frauen in Vietnam anbietet. Bong erzählte ihre Geschichte dem NAM-Autor Andrew Lam.
AN GIANG PROVINZ, Vietnam – Mein Name ist Bong Nguyen, ich bin 21 Jahre alt.
Meine Eltern arbeiten in den Reisfeldern, wir haben genug zu Essen und genug Kleidung.
Ich habe zwei Brüder, einen älteren und einen jüngeren.
Im Jahr 2008 ging ich nach Kambodscha, es endete damit, dass ich mehr als ein Jahr festgehalten wurde.
Ich war in der Schule und nachdem ich meine Abschlussprüfung abgelegt hatte, surfte ich im Internet.
Dort war dieser Mann, der versuchte mit mir zu chatten. Ich kannte ihn nicht, aber er fragte ständig ob wir nicht miteinander chatten wollten und so unterhielten wir uns.
Es gibt ein Café in Kambodscha, sagte er und dass ich dort mehr Geld verdienen könnte als hier.
Zu dieser Zeit hatte ich Streit mit meiner Mutter und sie warf mich aus ihrem Haus.
Ich war sehr traurig, in der Nachbarschaft gab es jemanden, der mich heiraten wollte, aber ich wollte nicht heiraten. Meine Mutter sagte: „Es wäre besser, wenn du ihn heiratest“.
Ich war so betrübt und beschloss mit einer Freundin in die Ha Tien Provinz zu fahren, nur für ein paar Tage, dann wollten wir zurück sein. Aber der Typ, den ich im Internet getroffen hatte, meldete sich erneut und sagte, dass wir nach Kambodscha gehen sollten, um dort zu arbeiten.
Wir entschlossen mit noch einer weiteren Person, einen Schulkameraden, uns nach Kambodscha aufzumachen.
Mit einem Motorradtaxi erreichten wir einen vereinbarten Treffpunkt des Mannes aus dem Internet.
Dort waren zwei Männer und eine Frau, sie brachten uns über die Landstraßen durch die Reisfelder (um von der Polizei nicht entdeckt zu werden) und schon bald waren wir in Kambodscha – ohne Papiere.
Als wir am Haus ankamen, wo der Mann aus dem Internet sein sollte, da hieß es, dass er nicht da sei.
Er befinde sich momentan in Malaysia. Aber seine Schwester war dort, sie regelte alles und passte auf mich und meine Freunde auf. Die Leute in dem Haus waren auch Vietnamesen, sie fragten von woher wir kämen und wir erzählten es ihnen.
Die Frau sagte, dass sie neue Kleidung für mich kaufen würde – einen Monat waren wir in diesem Haus. Ich verstand nichts von „bezahlt werden“, in dem Moment dachte ich über Geld gar nicht nach.
Schon bald erkannte ich, dass der Ort ein Umschlagplatz für Schleuser war, es handelte sich hier um einen Ort, der Mädchen ins Ausland verkaufte. Außerdem wurden noch viele Drogen verkauft, z.B. das weiße Pulver oder auch die andere Art, die man sich injiziert.
Ich sah mehrere Mädchen, die kamen und wieder gingen. Die Frau versorgte die Mädchen mit Drogen, sie sagte, dass sie auf noch mehr jungen Frauen warten würde, die sie dann mit uns nach Malaysia liefern werde.
Sie kassierte das Geld der Mädchen, die arbeiteten und verkaufte ihnen Drogen zum Rauchen.
Die Frau nannte mich „ihr Mädchen“. Sie erzählte mir, dass sie auch Bordelle in Thailand und Malaysia besitzen würde. Der Junge mit dem ich nach Kambodscha kam nahm auch die Drogen, ich weiß nicht was weiter mit ihm passiert ist.
Die Drogen dienten dazu die Mädchen gefügig zu machen.
Es war ein großes Geschäft, das nur von ein paar Personen betrieben wurde.
Zuerst wollte ich flüchten, aber ich konnte nicht. Ich wusste nicht, was passiert wäre, wenn man mich wieder eingefangen hätte, deswegen versuchte ich es erst gar nicht.
Aber ich flehte: „Lassen Sie uns nach Hause. Wir müssen in die Schule gehen.“
Doch die Frau antwortete: „Du wirst in der Schule sowieso nichts und du hast kein Geld.“
Sie erzählte, dass sie einen falschen Reisepass vorbereitet hatte um mich nach Malaysia zu bringen.
Aber ich hatte richtiges Glück. Einer der Drogenkäufer war der Freund der adoptierten Tochter dieser Frau – das Mädchen hatte sich mit 13 Jahren verkauft und wurde warum auch immer von der Frau adoptiert- und nun wurde dieser Mann aus dem Haus geworfen, weil er Drogen auf dem Balkon geraucht hatte. Es gab einen riesigen Streit und der Drogenkäufer sagte:
„Gut ich gehe, aber in drei Tagen wird dieser Platz gestürmt werden.“
Schon am nächsten Tag kam die Polizei und nahm jeden mit, ich kam in eine Hilfseinrichtung in Phnom Penh für mehr als ein Jahr. Man wollte mich nicht gehen lassen, da ich keine Papiere hatte.
Jemand, der von meiner Situation gehört hatte, informierte meine Familie in Vietnam.
Schließlich wurde ich nach Hause gebracht. Man erzählte mir, dass die Bordellbesitzerin $100000 bezahlte um aus dem Gefängnis wieder entlassen zu werden.
Während meiner Zeit bei der Hilfseinrichtung in Kambodscha traf ich viele Mädchen,
die schreckliches erlebt hatten. Es waren 33 und viele von ihnen waren Vietnamesen, aber die Mehrheit wurde in Kambodscha geboren.
Da war dieses eine gut aussehende Mädchen, sie verkaufte ihren Körper mit 13, um ihrer Großmutter helfen zu können. Sie erzählte mir, dass sie es mit dutzenden von Männern am Tag tun musste und dass sie einmal von 20 Männern vergewaltigt wurde. Sie bettelte, dass ihre Peiniger aufhören sollten, aber diese machten weiter. Das Mädchen wurde gerettet, als das Bordell gestürmt wurde.
Dann gab es da noch ein anderes großes Mädchen, welches an Krämpfen litt, da sie oft geschlagen wurde. Sie erzählte, dass sie einen Freier verweigerte und der sie so schrecklich verprügelte.
Jetzt kann sie nichts mehr tun ohne zu zittern. Sie wurde so oft vergewaltigt und geschlagen, dass sie schon halb verrückt wurde.
In der Hilfseinrichtung befanden sich auch ein paar Frauen, die mental krank waren und ein paar Frauen starben auch an AIDS.